Steffen Peters herausragend – van Grunsven enttäuscht

Der Olympiavierte Steffen Peters bei seinem Siegesritt im Grand Prix auf Ravel in Wellington. Foto mit freundlicher Genehmigung von www.equestriansport.com
Mit einem deutlichen Sieg hat Steffen Peters auf seinem Spitzenpferd Ravel im Grand Prix zum Auftakt der Exquis World Dressage Masters Serie (WDM) gezeigt, dass nach seinem beeindruckenden Ritt bei den Olympischen Spielen in Hongkong 2008, auch in diesem Jahr international mit ihm zu rechnen sein wird.
Der Olympiavierte von Hongkong 2008 zeigte auf Ravel einen weiteren herausragenden Ritt und erreichte mit 75.574% das beste Ergebnis seiner Laufbahn.
Die aus den Niederlanden angereiste dreifache Olympia-Goldmedaillengewinnerin Anky van Grunsven, am vergangenen Wochenende noch siegreich in der Worldcup Qualifikation in Amsterdam, erreichte mit einem Ritt unter Spannungen und einigen deutlichen Patzern hingegen ein enttäuschendes Ergebnis von 66.936%. Sie schaffte die Qualifikation für die Grand Prix Kür am Sonntag nur durch den Verzicht des auf Platz fünf liegenden Amerikaners Michael Barisone auf Neruda.
Peters hingegen, der schon bei seinem vierten Platz bei Olympia einen eindruckssvollen Ritt gezeigt hatte, konnte diese Leistung noch einmal toppen. Gegen einige der besten internationalen Dressurreiter bot er einen noch einmal verbesserten Ravel.
“Mein Pferd hat heute wirklich alles super gemacht hat”, sagte der im kalifonirschen San Diego beheimatete Dressureiter im Anschluss. “Ravel war so ehrlich heute, ging vorwärts und war sehr, sehr geschmeidig. Manchmal hat man im Viereck viel zu arbeiten, aber heute war es das reine Vergüngen. Er hat wirklich jede Bewegung angeboten und es war der beste Ritt, den ich jemals hatte.”
Für den in Deutschland geborenen Peters ein vielversprechender Auftakt für die Grand Prix Kür am Sonntag. Der Wettbewerb mit einer Gesamtgewinnsumme von 150.000 US$ hat ein große Zahl internationaler Spitzendressurreiter nach Florida gezogen. Doch an das Ergebnis von Peters konnte keiner heranreichen.
Der 13-jährige Ravel, der nach Olympia nun noch einmal deutlich gereift erschien, zeigte sich unbeeindruckt von seiner Umgebung und konnte so hochkonzentriert seine Bestleistung im Viereck abliefern. Peters, der erst kürzlich in seiner Wahlheimat zum Reiter des Jahres 2008 gekürt worden war, freute sich auch über die neue WDM-DressurSerie: “Ich fühle mich jetzt schon wie auf einem der großen Championate. Es ist ein besonderes Erlebnis in einer Anlage wie hier in Wellington reiten zu dürfen.”
Auch Anky van Grunsven hatte sich von dem neuen Cup direkt vom Championat in Amsterdam in die U.S.A. locken lassen. Für die niederländische Dressurkönigin wurde die Auftaktprüfung allerdings zum Desaster. Als Favoritin gestartet, konnte sie von einem angespannten Painted Black kaum Leistung abrufen, dazu unterliefen ihr selbst auch noch einige klare Fehler.
“Ich mag gar nicht mehr daran denken”, sagte sie im Anschluss an die Prüfung. “Das war Painted Blacks erste Prüfung wieder unter freiem Himmel und er war unheimlich wild und fing dann noch an sich zu erschrecken. Dabei war er beim Abreiten noch richtig gut bei der Sache und ich dachte, es läuft. Dann vergesse ich auch noch das Rückwärtsrichten und danach kam er überhaupt nicht richtg in die Passage und Piaffe hinein. Anschließend hat er sich an der kurzen Seite vor den Richtern erschreckt. Ich weiß nicht einmal warum. Er ist sonst nie so ängstlich. Den Rest der Prüfung habe ich nur noch versucht, ihn wieder zu mir zu holen und weil die Prüfung neu ist, habe ich mich voll auf ihn konzentriert, denn er war so furchtbar ängstlich. Das ging solange, bis ich dann selbst ganz aus dem Konzept war und mich auch noch zweimal verritten habe. Es ist mir wirklich peinlich und wird mir sicher nie mehr wieder passieren. Painted war völlig anders als er normaerweise ist.”
Eine gute Leistung zeigte die Kanadierin Ashley Holzer auf Pop Art. Auch dieses Paar schien von seiner Olympiateilnahme profitiert zu haben. Mit eine Ergebnis von 71,319% kamen die beiden auf den zweiten Platz. Holzer äußerte sich überzeugt, dass Pop Art noch zu einer weiteren Steigerung fähig sei. “Ich denke, die Umstellung auf die neue Prüfung braucht noch eine Weile. Ich habe keine Druck gemacht, sondern es war mir wichtig, sauber zu reiten. Ich habe während der gesamten Prüfung immer zwischen 70 und 71 Prozent bekomment, das zeigt, dass ich mein Ziel auch erreicht habe.
Kurz hinter Holzer konnte sich der Niederländer Hans-Peter Minderhoud auf Exquis Escapado mit 71,149% platzieren. Auf Platz vier kam sein Landsmann Edward Gal auf Next One.
Die ersten acht Reiter sind nun für die mit 60.000 Euro dotierte Grand Prix Kür qualifiziert, die am Sonntag stattfindet. Die anderen elf Reiter haben sich für den mit 30.000 Euro dotierten Grand Prix Spezial am heutigen Samstag qualifiziert. Nur der Verzicht des auf Platz fünf liegenden Amerikaners Michael Barisone, der nun auch im Spezial an den Start gehen wird, machte es möglich, dass Anky van Grunsven, die mit ihrer Leistung nur auf Platz neun kam, nun doch noch in der Kür am Sonntag starten kann.
Steffen Peters ist sich bewusst darüber, dass trotz des Desasters der niederländischen Spitzenreiterin, sich das Blatt in der Kür wieder wenden kann. “Wir werden sehen. Auch in Amsterdam war Ankys Leistung am Vortag nicht so gut und dann hat sie in der Kür ihre beste Leistung gezeigt. Unsere Kür ist bislang zwar sehr gut, aber wir werden für morgen nochmal eins draufsetzen müssen.”




