„Zivilcourage und Handlungsinstrumente“ – Pferdesportverband Schleswig-Holstein gut aufgestellt
Mehr statt weniger Mitglieder wünscht sich der Pferdesportverband Schleswig-Holstein und mehr sauberen Sport auf den Turnierplätzen generell – keineswegs nur in Schleswig-Holstein.
Nun ist das Land zwischen den Meeren im bundesweiten Vergleich gut aufgestellt und das gilt in doppelter Hinsicht. Vorsitzender Klaus Buß und Geschäftsführer Dieter Stut legten ein detailliertes Zahlenwerk und ein ausgetüfteltes Konzept für die nähere Zukunft bei der Jahresversammlung des Pferdesportverbandes in Neumünster vor.
Mehr Mitgliederwerbung ist gefragt, um dem demographisch bedingten Rückgang der Zahlen entgegen zu wirken, sportlich steht ein gemeinsam mit dem Springreiterclub Schleswig-Holstein und Hamburg entwickeltes Konzept für mehr Sauberkeit im Turniersport zur Genehmigung an und für die Mitarbeiter der Geschäftsstelle stehen die Umzugskartons praktisch schon in Sichtweite.
Insgesamt 44.474 Vereinsmitglieder zählte der Pferdesportverband Schleswig-Holstein zum 1. Januar 2008. Das sind 91 weniger als noch im Jahr davor. Der Höchststand betrug im Jahr 2002 46.120 Vereinsmitglieder. Das sei ein unverkennbares Signal, die Mitgliederwerbung zu intensivieren, mahnte Verbandsvorsitzender Klaus Buß. Die Verluste sind in der Altersgruppe der 27 Jahre und älteren Menschen am deutlichsten.
Personell hat sich der Pferdesportverband verstärkt. Neben den wiedergewählten Vorstandsmitgliedern Harm Sievers (Tasdorf) und Peter Hoff (Karlsminde) wird künftig auch Dieter Medow (Hamburg) im Vorstand des Verbandes mitarbeiten.
Bad Segeberg wird EM-Standort
Schon mit den Deutschen Jugendmeisterschaften der Vielseitigkeitsreiter vor wenigen Jahren hat Schleswig-Holstein ein Signal gesetzt, im Jahr 2010 wird es nun sogar um das kontinentale Championat gehen. Bad Segeberg hat vom Weltverband FEI den Zuschlag zur Ausrichtung der Europameisterschaften Vielseitigkeit der Junioren vom 27. bis 29. August 2010 erhalten….
Umzug im Herbst 2009
Eine weitere gute Nachricht hielten Buß und Geschäftsführer Dieter Stut in Sachen Finanzen bereit. Obwohl der Verband nach Jahrzehnten in der alten Geschäftsstelle in der Eutiner Straße in Bad Segeberg nun endlich in das ehemalige Vereinsheim des Fussballvereins Eintracht Segeberg in der Marienstaße umziehen kann und die Fülle der Aufgaben für den Pferdesportverband nicht kleiner, sondern eher größer und differenzierter wird, bleiben die Beiträge der Vereine stabil.
Die bereits im Jahr 2008 beschlossene Umlage der Vereine zur Finanzierung des neuen Büros des Pferdesportverbandes Schleswig-Holstein bleibt eine einmalige Leistung der Vereine. Insgesamt 420.000 Euro kostet der Umzug ins erworbene Gebäude, dass auf einem Grundstück der Stadt Bad Segeberg steht und im Wege des Erbbaurechts dem Verband zur Verfügung steht.
Gleich in der Nachbarschaft liegt der Landesturnierplatz, die frühere Rennkoppel, die immer mal wieder Begehrlichkeiten weckte. Ein Thema, das mittlerweile vom Tisch ist, denn Klaus Buß und Dieter Stut konnten mit der Stadt Bad Segeberg hinsichtlich des Nutzungsrechts eine Grunddienstbarkeit auf 99 Jahre aushandeln, das heißt, der Turnierplatz bleibt dem Pferdesport noch lange erhalten.
„Zivilcourage und Handlungsinstrumente“ – Schleswig-Holsteins Spitze sorgt für Bewegung
Schleswig-Holsteins und Hamburgs Springreiter zählten zu den Ersten, die auf die kritische Diskussion über den Spitzensport Springreiten in der Folge der Olympischen Spiele in Hongkong reagierten. Bereits im Oktober 2008 verabschiedete der Springreiterclub beider Länder ein ganzes Paket von Maßnahmen als Vorschlag an den Pferdesportverband Schleswig-Holstein und „rannte“ damit offene Türen ein.
Inzwischen liegt ein verabschiedungsreifes Konzept zur Genehmigung für die Landeskommission für Pferdeleistungsprüfungen vor. Und diese Maßnahmen sind sehr konkret und reichen von festgeschrieben Höhen der Sprünge auf dem Abreiteplatz bis zur Einführung einer Gelben Karte, zur bereits bei den VR Classics in Neumünster praktizierten Videoüberwachung des Abreiteplatzes, Anforderungen an den Parcoursbau und zu Forderungen an den nationalen Verband FN.
Darüber diskutierten in Neumünster die Springreiter Thomas Voß (Schülp) und Harm Sievers (Tasdorf), Dressurreiter Wieger Derk de Boer und die Richter Dirk Groth (Uetersen) und Franz-Peter Bockholt (Hamburg) im Rahmen einer Podiumsdiskussion.
Deutlich wurde dabei eines: Für die Reiter im Land ist es nicht „Fünf vor Zwölf“, sondern eher die Stunde des Handelns. Neben den selbst angeregten Maßnahmen, die die Position der Stewards und Richter auf den Abreiteplätzen stärken soll, unterstrichen die Aktiven auch die Notwendigkeit, im Fall des Falles selbst auf Kollegen zu zugehen und einzuschreiten, wenn es denn notwendig sein sollte. Zwei Erkenntnisse wurden aus der Diskussion deutlich: Die Springreiter wollen sich nicht von den Folgen der 2008 heftig geführten Diskussion überrollen lassen, sondern selbst handeln – immerhin hat ja auch der Spitzensport den Anlass geliefert. Zum anderen schauen die Profis wesentlich genauer und kritischer auch auf die übergeordneten Verbände. Insbesondere der Weltverband FEI darf sich auf Diskussionen über das Medikationsreglement einstellen….




