
Prof. Dr Udo Steiner ist Vorsitzender der DOSB Kommission zur Untersuchung von Manipulationen im Pferdesport. Foto: Julia Rau
Nach Anhörung von insgesamt 53 deutsche Spitzenreitern und 13 Funktionären ist die sogenannte “Unabhängige DOSB-Kommission” mit einem ersten Zwischenergebnis an die Öffentlichkeit getreten. Anstelle einer Liste mit Reitern und Funktionären, die es künftig schwer haben dürften noch einmal für ihr Land an den Start zu gehen, erteilte die Steiner-Kommission, benannt nach ihrem Vorsitzenden, dem Bundesverfassungsrichter a.D. Prof. Dr, Udo Steiner, allen bislang Befragten eine Art General-Absolution.
Nach der sogenannten Auflösung der deutsche Nationalmannschaften in Springen, Dressur und Vielseitigkeit Ende Mai durch die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) – faktisch gingen die bisher in den Kadern nominierten Reiter (bis auf wenige Ausnahmen) weiter für Deutschland an den Start – sollte die Kommission dafür sorgen, einen Neuanfang im deutschen Leistungssport zu ermöglichen.
So beauftragte die FN also eine als unabhängig bezeichnete Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Reiter und Funktionäre hinsichtlich ihrer Einstellung und ihres Verhaltens zu befragen und die Situation im Spitzensport zu analysieren.
In dieser Woche ging der zweite von drei Befragungsblöcken zu Ende. Im Anschluss verkündete die
DOSB-Kommission Reiten folgende Zwischenergebnisse:
Die DOSB-Kommission Reiten hat in der Zeit vom 13. bis 15. Juli und vom 20. bis 22. Juli 2009 in Warendorf 53 Reiterinnen und Reiter sowie 13 Amtsträger und Funktionäre der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) zur Manipulation im Pferdeleistungssport befragt.
Alle Reiterinnen und Reiter hatten nach Abschluss der Befragung folgende Ehren- und Verpflichtungserklärung zu unterschrieben (Vergleichbares war ihnen bereits VOR den Olympischen Spielen 2008 abverlangt worden):
‚Ich bekenne mich uneingeschränkt und entschieden zu den Grundsätzen der Fairness und Integrität im Pferdesport. Ich versichere, mit dem Pferd zu dessen Wohl und Gesundheit einen reiterlichen Umgang zu pflegen und auf jede Form der Manipulation zu verzichten. Insbesondere werde ich innerhalb und außerhalb des Wettbewerbes keine gemäß den geltenden Regelwerken und Richtlinien verbotenen Methoden anwenden und keine verbotenen Substanzen (Dopingsubstanzen und sonstige verbotene Substanzen) in einer Weise anwenden, die einen Verstoß gegen das geltende Regelwerk darstellt. Ich bin bereit, im Zusammenhang mit allen von der Reiterlichen Vereinigung verbindlich beschlossenen und noch zu beschließenden Maßnahmen zur Bekämpfung von Manipulation im Pferdesport vertrauensvoll zu kooperieren.’
Der “wesentliche Inhalt” der Anhörung sei protokolliert worden. Weitere Reiterinnen und Reiter werden nach dem gegenwärtigen Stand in der Zeit vom 11. bis 13. August angehört. Nach Abschluss der Befragung werde die Kommission einen Bericht erstellen, der auch Empfehlungen an die FN zum “künftigen Umgang mit Fragen zu Doping und Medikation im Pferdeleistungssport” einschließt.
Aufgrund der bisher erfolgten Anhörungen empfiehlt die Kommission der Deutschen Reiterlichen Vereinigung in drei Fällen – Ludger Beerbaum (Riesenbeck), Marco Kutscher (Riesenbeck) und Daniel Deußer (Valkenswaard/NED) – die Aufnahme der angehörten Personen in einen Kader mit Vorbehalt, in allen anderen Fällen ohne Einschränkung.
In den drei Vorbehaltsfällen empfiehlt die Kommission die Aufnahme in einen Kader mit der Auflage, dass die betreffenden Reiter jede medizinisch indizierte Maßnahme der Behandlung eines Kaderpferdes oder Grand Prix-Pferdes mit dem zuständigen Mannschaftstierarzt und dem Bundestrainer im Zeitraum bis zum 31. Dezember 2011 offen und vertrauensvoll abstimmen. Der Mehraufwand, der aufgrund dieser Abstimmung der FN entsteht, geht zu Lasten der Reiter. Die Aufnahme in den Kader kann widerrufen werden, wenn gegen die Auflage verstoßen wird.“
Zu den Zwischenergebnissen der DOSB-Kommission Reiten äußerte sich der FN-Generalsekretär, Soenke Lauterbach, wie folgt: „Die Kommission hat die Arbeit noch nicht beendet. Diese Arbeit respektieren wir und wollen sie nicht beeinflussen. Daher geben wir zum jetzigen Zeitpunkt keinen wertenden Kommentar zu den Zwischenergebnissen ab. Wir haben vorab mehrfach betont, dass wir die Empfehlungen der Kommission berücksichtigen werden. Die Ausschüsse des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) werden die Empfehlungen in die Entscheidung bei der Kaderberufung einbeziehen.“
Kommentar folgt in Kürze