EM Windsor 2009 Springreiten: Die Schweiz ist neuer Mannschaftseuropameister – Italien Zweiter – Deutschland noch Bronze
Dass – außer Franke Sloothaak - mal ein Niederländer für Deutschland reiten würde – wer hätte das gedacht. Doch Marc Houtzager, letzter Reiter der rivalisierenden Equipe aus Deutschlands Nachbarland, entschied auf Pferd Opium mit zwei Abwürfen und einem Zeitfehler den Kampf um einen Medallienrang – unfreiwillig – für die deutsche Mannschaft. “Das war ein absolutes Herzschlagfinale und ich bin mit den Leistungen aller Reiter hoch zufrieden. Von Platz eins bis Platz fünf war bis zum Schluss alles möglich”, freute sich dann auch Bundestrainer Otto Becker.
Die Spannung hatte bei einem Kopf an Kopf Wettkampf unter den ersten sechs Nationen bis zum Schluss gehalten, fielen die Stangen doch bereits in der ersten Runde des Nationenpreises reihenweise. Lediglich drei Reitern im gesamten Starterfeld gelangen fehlerfreie Ritte, unter ihnen aber keine deutschen Teilnehmer.
Zur Halbzeit sagte der Bundestrainer daher noch: “Bis jetzt ist es für uns einfach nicht gelaufen. Ich hoffe im zweiten Umlauf endlich auf einen Nullrunde.” Der Weltranglisten-Erste, Marcus Ehning, hatte beim Auftakt für das deutsche Team gleich acht Strafpunkte hin nehmen. “Das Ergebnis zeigt, dass der Parcours schwer und mit flachen Auflagen versehen ist, allerdings passend für eine Europameisterschaft. Plot Blue ist dennoch hervorragend gesprungen”, so das kurze Zwischenfazit Ehnings.
Nach der ersten Runde lieferte er das Streichergebnis für das deutsche Team, denn Thomas Mühlbauer mit Asti Spumante, Carsten-Otto Nagel mit Corradina und auch Meredith Michaels-Beerbaum mit Checkmate kassierten jeweils einen Abwurf. “Besser wäre gewesen, wenn einer viele Fehler gemacht hätte und die anderen strafpunktfrei geblieben wären. So hatten alle Flüchtigkeitsfehler”, kommentiert Becker den ersten Umlauf.
Optimistisch zeigte sich Carsten-Otto Nagel vor Runde zwei, vor dem die niederländischen Springreiter mit 15,96 Strafpunkten die Führung inne hatten und Deutschland mit nicht einmal einem Abwurf entfernt (19,75 Strafpunkte) auf Platz fünf rangierte. “Hier ist fast jeder Sprung eine Fehlerquelle und für uns ist es gut, dass der Parcours schwer ist. Für mich war es eine Freude wie Corradina im ersten Umlauf gesprungen ist.”
Wie auch in Runde eins blieben die fehlerfreien Ritte im zweiten Umlauf eine Ausnahme und den Deutschen fehlte auch hier das notwendige Quäntchen Glück, um eine Nullrunde vorweisen zu können. Marcus Ehning machte es besser als in der ersten Runde und kassierte wieder nur einen Abwurf genauso wie seine drei Teamkollegen. Nur EM-Neuling Thomas Mühlbauer musste noch zusätzlich einen Strafpunkt für Überschreitung der erlaubten Zeit hinnehmen. Bei ihm und seinem quirligen Hengst Asti Spumante fiel die Stange erst am letzten Hindernis.
“Wenn man am letzten Sprung einen Fehler hat, dann ärgert das einen wie Sau, wie wir in Bayern sagen” , so der Hotelier. Die Nerven der deutschen Equipe lagen bis zum Schluss blank, denn das Teamranking änderte sich von Reiter zu Reiter. ARD-kommentator Carsten Sostmeier erging sich nach jedem Reiter neu in Rechenkunststücken und konnte das neue Zwischenergebnis gar nicht so schnell ausrechnen, wie die jeweiligen Team-Reiter einritten.
Carsten-Otto Nagel zeigte sich aber nach seinem zweiten Umlauf kämpferisch. “Wir werden heute nicht ohne Medaille rausgehen.” Bis es aber soweit war mussten die Deutschen bis zum letzten Paar um ihre Medaille bangen. Erst nach den neun Strafpunkten von Marc Houtzager stand fest: Die Schweiz gewinnt mit 27,66 Strafpunkten die Goldmedaille vor dem Überraschungsteam aus Italien (31) und Deutschland (31,75).
Die vier deutschen Reiter sind auch weiter im Rennen um die Einzelmedaillen, denn sie befinden sich alle unter den besten 25 Reitern in der Zwischenwertung. Die größten Chancen auf Edelmetall am Sonntag hat Carsten-Otto Nagel auf Platz sieben (9,64 Strafpunkte), gefolgt von Meredith Michaels-Beerbaum (Platz 10/12,31), Marcus Ehning (Platz 14/13,80) und Thomas Mühlbauer (Platz 16/14,43).
In Führung liegt der Italiener Natale Chiaudani (4,47) mit Snai Seldana di campalto. Auf den Rängen zwei und drei liegen derzeit der Brite Ben Maher mit Robin Hood W (6,30) und der Niederländer Albert Zoer mit Oki Doki (7,18).





