EM Windsor 2009: 90,750 – Edward Gal und Totilas sind Europameister

Unglaublicher Ritt, unglaubliches Pferd: Totilas und Edward Gal als Europameister 2009. Foto: Julia Rau
Wer hätte das nicht erhofft: Der Niederländer Edward Gal und sein Ausnahmehengst, der lackschwarze Totilas, mögen das Sensationsergebnis von Hickstead von vor wenigen Wochen noch einmal schaffen. Unglaubliche 89,400 Prozent hatten hier am Ende auf der Anzeigetafel gestanden, der Sieg bei der vierten Etappe der World Dressage Masters.
Sicher konnte jedoch keiner sein. Einem erst neunjährigen Pferd kann es schnell auch einmal zuviel werden. Doch das Wunder gelang: am Ende der Musik-Kür bei der Europameisterschaft im Einzel, stand das neue Traumpaar im internationalen Dressursport nicht nur mit einer Goldmedaille da, sondern mit einem weiteren Weltrekord Ergebnis!
Erstmals in der Geschichte des Dressursports vergab die internationale Jury aus fünf Richtern in der Abschlussbewertung, Prozentpunkte mit einer 9 am Anfang - 90.750 Prozent heißt das Sensationsergebnis von Windsor. Den beiden war wirklich alles gelungen, drei kleine Hakler in den Einerwechseln konnten da auch nichts mehr am Gesamtsieg ändern. Edward Gal, der selbst aus dem Staunen nicht mehr rauskam, sagte im Anschluss an seinen Ritt: “Man kann es sich kaum vorstellen, aber er (Totilas) kann es noch besser. Darüber muss ich jetzt noch einmal nachdenken, das ist schon fast ein bißchen erschreckend.” Die Musik zur Kür des Niederländers war zusammengesetzt aus dramatisch abgemischten Klassikmelodien, überschrieben mit dem Titel “Totally Totilas”.

Dreimal Freude für die Niederlande - die dominierende Nation dieser Dressur-EM stellte mit Adelinde Cornelissen (Silber), Edward Gal (Gold) und Anky van Grunsven (Bronze) nach der Kür das gesamte Siegertreppchen voll. Foto: Julia Rau
Insgesamt sah das Publikum vor der beeindruckend hinter Bäumen herausragenden nächtlich beleuchteten Kulisse des mittelalterlichen Windsor Castle 15 äußerst qualitätvolle Ritte. Das empfand wohl auch der Vorsitzende Richter, der Brite Stephen Clarke so: ” Was uns heute Abend hier geboten wurde, war das Schönste, was unser Sport jemals gesehen hat.”
Für die Niederlande, die diese Europameisterschaften ohnehin dominierten, bot die abschließende Kür eine weitere Möglichkeit zu triumphieren. Auf Platz zwei landete die in allen drei Wettbewerben hervorragende Adelinde Cornelissen. Auf einem weiterhin hervorragenden Parzival bot sie zu Wagners Walkürenritt einen ebenfalls hervorragende Leistung, die von den Richtern mit außerordentlichen 87,250 Prozent berwertet wurde.
Titelverteidigerin Anky van Grunsven hatte auf Olympiapferd Salinero nicht unbedingt die knapp dahinter liegenden 87,350 Prozent erritten. Allein das nicht erfolgte Halten am Anfang und am Schluss des Rittes hätte soviele Punkte kosten müssen, dass die Olympiasiegerin zumindest mit etwas größerem Abstand hinter Cornelissen hätte stehen müssen. Dennoch Platz drei für die Dressurkönigin aus den Niederlanden.
Bester Deutscher war ein weiteres Mal Matthias Alexander Rath. Er zeigte sich auf Sterntaler zu spanischen Gitarrenklängen in einer ausgereiften Vorstellung. Mit 77,850 Prozent lag der 24-jährige Student aus Kronberg im Taunus am Ende auf Platz sechs.
Auch Monica Theodorescu und dem auf eine eher feine Art spektakulären zehn Jahre alten Wallach Whisper gelang Einiges, wenn auch nicht alles. Etwas matte Piaffen und ein Fehler in den Zweierwechseln kosteten Punkte, am Ende 75,950 Prozent und Platz neun. Etwas unterbewertet die dritte deutsche Starterin: zwar wirkte Potomac, der Hengst von Susanne Lebek, ein wenig unter Spannung, doch zeigten die beiden, die fast zu ihrer eigenen Überraschung unter die letzten 15 gekommen waren und somit in der Kür zur Europameisterschaft starten durften, eine ambitionierte Kür, die am Schluss jedoch nur mit 72,450 Prozent und Platz 14 benotet wurde.




