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Der Kommentar: Das war’s!

31. August 2009 Der Kommentar

Die Europameisterschaften im Springreiten und in der Dressur sind zu Ende. Einer Trutzburg gleich ragte das tausendjährige Schloss Windsor hinter den Baumwipfeln hervor. Und wenn im Zusammenhang mit den sportlichen Leistungen auf dem Dressurviereck am Fuß seiner dicken Mauern gelegentlich ehrfurchtsvoll oder verächtlich die Rede von ‘historisch’ war, mag ihm das ein oder andere Fenster zu einem gepflegten britischen Lächeln nach oben gehüpft sein.

Den Niederländern werden historischen Glanzleistungen attestiert, den deutschen Reiterinnen und Reitern eine historische Blamage; historisch war übrigens auch der Sieg eines Franzosen im Springreiten. Ganz wie bei den Schlachten, die Windsor Castle gelegentlich in den letzten tausend Jahren aus der Ferne mitangesehen haben mag, geht es um stolze Völker, scheinbar unüberbrückbar gegensätzliche Positionen und Sieg und Niederlage.

Was für Schloss Windsor nicht einmal eine geschichtliche Marginalie wird, war für Deutschland eine, glaubt man zahlreichen Berichten über das Ereignis,  zur auf alle Zeiten in den equinen Geschichtsbüchern zu verankernde historische Schmach.

Was war passiert?

Die deutschen Reiterinnen und Reiter haben im Springen und in der Dressur gute bis sehr gute Leistungen gezeigt, oder wie anders sollte man Mannschaftsbronze (Dressur und Springen) und Einzelsilber (Springen) nennen?

Zu glauben, Deutschland habe ein immerwährendes Abonnement auf alle Spitzenplätze in diesem sich wandelnden Traditionssport, ist töricht. Andere Nationen haben sich in den letzten zehn Jahren vor aller Augen kontinuierlich weiter entwickelt. Sowohl in der Zucht, wie die vielen erfolgreichen Pferde aus den Niederlanden, Dänemark, Belgien aber auch Frankreich zeigen, als auch in ihren Verfahren, die reiterliche Spreu vom Weizen zu trennen und in den Methoden ihrer Ausbildung, können diese Länder  inzwischen genauso an der Spitze mithalten. Zufallserfolge sind Vergangenheit.

Das gelang ihnen auch deshalb so gut, weil Ausbilder, Pferde und kostbarstes züchterisches Wissen aus dem Land mit den vielen Goldmedallien frei Haus nach Überallhin lieferbar waren. Hier hatte Deutschland einen echten Exportschlager. Warum auch nicht?

Jetzt bei den großen Auktionen oder Pferdehändlern die Schuld am erstmals etwas schlechteren Abschneiden zu suchen, bei denen um die 50 Prozent der in Deutschland gezüchteten Pferde zu horrenden Preisen ins Ausland vermarktet werden, wäre ein weiterer törichter Gedanke, der das Problem nur an den Symptomen kurieren will.

Den Reitern selbst war während dieser Tage dennoch keine Depression anzumerken. Die meisten von ihnen sind Profis. Sie sind bereit und in der Lage, sich anzupassen und zu lernen. Und wollen sie auf Dauer in diesem Geschäft bleiben, so werden sie über kurz oder lang erfolgreiche Systeme des Sponsorings ihrer teuren Pferde, wie sie im Ausland längst entstanden sind, adaptieren müssen.

Was ihnen fehlt, ist die professionelle Unterstützung durch Verbände und Ausschüsse. Hier wird in den nächsten Jahren viel Arbeit zu leisten sein. Eine Grundeigenschaft, die von Amerikanern gern als “open mindedness” bezeichnet wird, muss in Deutschland mühsam antrainiert oder aber durch frische, motivierte Fachleute eingebracht werden.

Zu Beginn dieses Prozesses sollten sich alle ganz schnell von dem Glauben verabschieden, in Deutschland gebe es die reine Lehre und niemand anderes als die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) und einige wenige Ausbilderikonen seien die Hüter dieses heiligen Grals.

Ist das gelungen, kann die Arbeit beginnen. Mutige Frauen und Männer sind gefragt, um noch mutigere Schritte in ein hochmodernes Sportmanagement zu gehen. Hier ist vom Einsatz der Sportpsychologie und neuesten Trainingslehren ebenso die Rede, wie von der notwendigen Adaption kreativer Ausbildungsmethoden, die ihre Anleihen da sucht, wo sie gerade ihren Sinn haben, ob das nun in der Barockreiterei, der Leichtathletik oder dem Kraftsport ist.

Auch gefragt, und sicher am schwierigsten zu etablieren, ist der Spaßfaktor, den Edward Gal als eines der niederländischen Asse just in dem Moment aus dem Ärmel zog, als er nach dem landeseigenen “Geheimrezept” für den Erfolg gefragt wurde.

Und dann gilt es noch etwas zu beschaffen, das man sich weder anlesen noch antrainieren, noch importieren, noch kaufen kann, etwas, das einer hat, der in Deutschland aus vielen Gründen nicht wohl gelitten ist. Die Rede ist von Sjef Janssen, dem Ehemann der niederländischen Dressurikone Anky van Grunsven und Bondscoach der Dressurmannschaft des Landes, das in diesem Jahr in Windsor fast alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gab.
Nicht Janssens unsägliche Rollkur soll hier protegiert werden. Mit viel Recht gehört sie auf den großen Misthaufen reiterlicher Irrlehren. Auch seine fragwürdigen sportpolitischen Querschläger sollen hier kein neues Podium finden.

Doch Sjef Janssen hat etwas anderes, etwas was in deutschen Verbänden aber auch Reitställen Mangelware ist und derzeit so fehlt, wie das Salz in der Suppe: Janssen brennt! Er ist ein leidenschaftlicher, ehrgeiziger, hochemotionaler und motivierter Mann.

Er ist sich nicht zu schade anzuecken, sich unbeliebt zu machen und zum Gespött zu werden – wenn es der Sache, für die er kämpft nur nützt. Taktierereien sind dem Niederländer ebenso fremd wie den deutschen Funktionären die Emotion. In seinem Land hat ihm das viel Respekt eingebracht. Um seinen politischen Einfluss beim Weltreiterverband FEI ist er zu beneiden.

Soviel Leidenschaft ist für Deutschlands Reiterwelt nur durch eine Personalentscheidung an der Spitze ihres  Verbandes  zu gewinnen!

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