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DOSB Kommission: Abschlussbericht und einjährige Kader-Sperre für Werth

22. September 2009 Dressur

Er hat nun auch schärfere Auflagen zu beachten. Rene Tebbel. Foto: Julia Rau

Er hat nun auch schärfere Auflagen zu beachten. Rene Tebbel. Foto: Julia Rau

In einer angekündigten Pressekonferenz legte heute die DOSB Kommission Reiten den Abschlussbericht zum Thema Doping und Sauberer Pferdesport vor. Wirklich neu ist wenig. Einzig die Namen Rene Tebbel und Isabell Werth wurden konkret mit tiefer greifenden Maßnahmen bedacht.

Rene Tebbel wurde der Liste der Reiter zugefügt, die, wie Ludger Beerbaum, Marco Kutscher und Daniel Deußer, strengere Auflagen bei der Medikation ihrer Pferde zu beachten haben. Für die gerade schwangere Dressurreiterin Isabell Werth hat die Kommission eine Kader-Sperre (also eine Sperrfrist innerhalb der sie nicht für Deutschland starten darf) von einem Jahr, beginnend mit dem 23. Juni 2009 empfohlen. Nach Aussagen des FN-Geschäftsführers Sönke Lauterbach werde sich die FN an diese Empfehlung auch halten. Isabell Werth kann jedoch nach Ablauf der FEI-Sperre, die lediglich ein halbes Jahr beträgt, als Einzelreiterin wieder auf nationalen und internationale Turnieren starten.

Hier die FN-Erklärung und der Bericht der Kommission im Wortlaut:

DOSB-Kommission Reiten legt Abschlussbericht vor
„Im deutschen Pferdesport gibt es keinen Flächenbrand, sondern nur einzelne Brandherde.“ So lautete eine der Kernaussagen einer unabhängigen Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), die in den letzten Monaten Reiter und Funktionäre hinsichtlich ihrer Einstellung und ihres Verhaltens befragt und die Situation im Spitzensport analysiert hat. Grund waren die Manipulationsvorwürfe im Pferdespitzensport seit den Olympischen Spielen in Hongkong. Heute stellte die Kommission ihren Abschlussbericht im Rahmen einer Pressekonferenz in Warendorf vor.

Der Vorsitzende der DOSB-Kommission, Professor Dr. em. Udo Steiner, begrüßte die bereits von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) bei ihrer Präsidiumssitzung am 2. September definierten Maßnahmen für einen sauberen Sport. Dabei betonte er, dass der deutsche Reitsport im Kaderbereich nicht strukturell unredlich sei. Deshalb empfahl die Kommission in vier Fällen – Ludger Beerbaum (Riesenbeck), Marco Kutscher (Riesenbeck), Daniel Deußer (Valkenswaard/NED) und Rene Tebbel (Emsbüren) – die Aufnahme der angehörten Personen in einen Kader mit Auflagen.

Im Fall Isabell Werth empfahl die Kommssion eine einjährige Kadersperre beginnend ab ihrer Suspendierung am 23. Juni 2009. In der Begründung heißt es: „Für die Kommission war dabei ausschlaggebend, dass das Pferd von Frau Werth gedopt wurde, und dies mit einem Mittel, dessen Anwendung nach medizinischer Einschätzung des FEI-Tribunals für das Pferd mit gesundheitlichen Gefahren verbunden war. Die Empfehlung steht unter dem Vorbehalt, dass die Entscheidung des Tribunals der FEI bestandskräftig wird.“ FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach kommentierte die Empfehlung wie folgt: „Wir haben gesagt, dass wir die Kaderempfehlung der Kommission beherzigen werden. Und das tun wir jetzt auch.“

Die bereits vom FN-Präsidium definierten Maßnahmen wie

•    Einführung eines Anti-Doping-Codes-Pferd basierend auf dem NADA-Rechtssystem
•    Verschärfung des Strafrahmens bei Dopingverstößen
•    Verschärfung der Kader- und Championatsbestimmungen
•    Einführung einer Schiedsvereinbarung für Spitzenreiter
•    Unterwerfung der Tierärzte unter Regelwerk und Rechtssystem
•    Automatische Sperre von Pferden bei Dopingverstößen
•    Einführung von Trainingskontrollen für Kaderpferde
•    Einführung eines Stallbuches für Kaderpferde
•    Verbesserung nationaler Wettkampfkontrollen durch Schaffung von Kontrollteams
•    Erhöhung der Zahl nationaler Wettkampfkontrollen
•    Ausbau des Schulungsprogramms zur Dopingprävention
•    Änderung der Zuständigkeit bei Kaderausschluss aus nichtsportlichen Gründen: bisher DOKR-Disziplinausschuss, zukünftig DOKR-Vorstand

ergänzte die Kommission vor allem um folgende Punkte:

•    Grundsätzlicher Erhalt der Null-Toleranz-Lösung, das heißt, im Wettkampf muss das Pferd frei von Substanzen sein.
•    Einführung von Wirksamkeitsgrenzen für ausgesuchte Substanzen. Dies ist mit einem hohen Forschungsaufwand verbunden und deshalb nur schrittweise umzusetzen.
•    Möglichkeit zur Durchführung von turniernahen Schnelltests auf zu listende Stoffe in akkreditierten und zertifizierten Analyselaboratorien.
•    Einführung einer FN-Abteilung „Sicherheit und Ordnung“, die neben den Trainingskontrollen auch die gesamte Ermittlungstätigkeit im Doping-, Manipulations- und Ordnungsbereich übernehmen soll.

FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau begrüßte, dass die eingeleiteten Maßnahmen des Verbandes und die Empfehlungen der DOSB-Kommission weitgehend übereinstimmen: „Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Zu den zusätzlichen Empfehlungen sagte er: „Die vorgeschlagene Null-Tolleranz-Lösung kommt unserer Vorstellung von gesunden und unmanipulierten Pferden im Wettkampf entgegen. Nichtsdestotrotz ist unser Ziel eine Harmonisierung des nationalen und internationalen Regelwerks, aber nicht um jeden Preis.“ Die FN wird daher zunächst die Vorschläge zum FEI-Regelwerk abwarten, bevor das eigene Regelwerk für 2010 endgültig verabschiedet wird. „Natürlich bieten wir der FEI weiterhin unsere volle Unterstützung bei der Erarbeitung der neuen Regeln an“, so Soenke Lauterbach.

„Die Empfehlung zur Einführung einer FN-Abteilung ‚Sicherheit und Ordnung’ und die damit verbundenen strukturellen Änderungen bedürfen noch einer intensiven Beratung und Abstimmung innerhalb des Gesamtverbandes“, kennzeichnete der FN-Präsident das weitere Vorgehen.

Abschlussbericht DOSB-Kommssion

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