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Hongkong: FN-Funktionäre wussten Bescheid – Streng vertrauliches Ergebnis der Stevens Commission wird Öffentlichkeit zugespielt

24. Oktober 2009 Namen & Nachrichten

Ein Opfer Ludger Beerbaums? Mannschaftstierarzt Dr. Björn Nolting (re) mit dem ehemaligen Bundestrainer Kurt Gravemeier. Foto: Julia Rau

Ein Opfer Ludger Beerbaums? Mannschaftstierarzt Dr. Björn Nolting (re) mit dem ehemaligen Bundestrainer Kurt Gravemeier in Hongong. Foto: Julia Rau

Wie das Fachmagazin St. Georg gestern in seiner Online Ausgabe berichtete, gewährt der – bislang unter Verschluss gehaltene – ausführliche Bericht des so genannten “Ethics Panel” der internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI), tiefe Einblicke in die Vorgänge im Stall der deutschen Springequipe während der Olympischen Spiele von Hongkong 2008.

In dem Report, der auch unter dem Namen ihres Vorsitzenden Lord Stevens bekannt gewordenen Kommission, wird unter anderem der genaue Ablauf der Injektion mit Arnica und Lactanase, gegeben von Ludger Beerbaums Pflegerin Marie Johnson an das Pferd Cornet Obolensky von Marco Kutscher, rekonstruiert.

Offensichtlich, so die Schilderung von St. Georg Chefredakteurin Gabriele Pochammer aus dem Bericht der Stevens-Commission, hatten Mannschaftstierarzt Dr. Björn Nolting ebenso wie der damalige FN-Generalsekretär Dr. Hanfried Haring zu dieser Zeit den Stall verlassen. Dennoch habe er, ebenso wie Bundestrainer Kurt Gravemeier und weitere Funktionäre, von dem Vorfall gewusst.

Die Kommission habe Nolting, der dann gerufen wurde als Cornet zu kollabieren drohte, gefragt, weshalb er die Pflegerin (die auch verantwortlich war für den Einsatz einer cortisonhaltigen Salbe am Olympiapferd Goldfever von Ludger Beerbaum in Athen 2004, in dessen Folge der deutschen Mannschaft die Goldmedallie aberkannt worden war), von der Betreuung der Pferde angesichts ihrer doppelt unzulässigen Behandlung des Pferdes (unerlaubte Medikation, gegeben von Person, die keine Injektionen geben darf) nicht ausgeschlossen habe.

Interessante Antwort des inzwischen nicht mehr für die deutsche Mannschaft zuständigen Tierarztes: “Ich weiß, dass meine Position als Mannschaftstierarzt nicht stark genug ist, um diese Dinge gegen die Verbandsfunktionäre durchzusetzen. Und der Einfluss oder die Situation von Ludger Beerbaum gegenüber dem Verband verglichen mit meiner ist stärker… Ich habe nicht die Macht, sie (Marie) außen vor zu lassen.“ /Zitiert nach St. Georg/

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) reagierte heute in einer Stellungnahme auf ihrer Website, in der sie erklärt, dass es nichts mehr zu erklären gebe, da sämtliche Maßnahmen in die Wege geleitet worden seien, um eine solche Situation jemals wieder aufkommen zu lassen.

Darüber hinaus berichtet die FN aber auch, sich seit Wochen um den ausführlichen Bericht der Stevens Kommission bemüht zu haben. Die FEI hätte ihn jedoch mit Verweis auf  “strenge Vertraulichkeit” bislang nicht ausgehändigt. In der beigefügten Email Korrespondenz zwischen dem FN Generalsekretär Sönke Lauterbach und dem FEI- Generalsekretär Alexander Mc Lin, schreibt dieser in der Tat, dass der Report in keiner Weise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden solle: “… the consensus of those consulted, which is that both the investigation report and recommendations were not and are not intended for public dissemination in any way, beyond being shared
on a confidential basis with the Präsidium members as already explained by HRH.” (HRH bezieht sich auf die FEI Präsidentin Prinzessin Haya, Anm. Red.)

Welche Politik die FEI betreibt, wenn sie dem Verband, den es betrifft die internen Untersuchungsergebnisse vorenthält, diese jedoch dann einer Journalistin zuspielt, ist inzwischen die wirklich interessante Frage in der Affäre Hongkong.

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