Neue FEI-Doping Regeln: Droht ein europäischer Separatismus im Reitsport?

"Empört und entsetzt", bescheibt der Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, Breido Graf zu Rantzau, in Stuttgart die Reaktionen zur Freigabe von Medikationen für Pferde in Wettkämpfen. Foto: Julia Rau
Diesmal ist die Internationale Reiterliche Vereinigung (FEI) einen Schritt zu weit gegangen: Mit der während der Generalversammlung in Kopenhagen verabschiedeten, sogenannten “progressive list”, die bislang als Doping-Mittel geltende Schmerz- und Entzündgshemmer, wie Phenylbutazon und Flunixin, aber auch das Aufbaumittel Lactanase, vom 1. Januar 2010 an urplötzlich frei gibt, hat der Reitsport-Dachverband niemandem einen Gefallen getan, am wenigsten sich selbst.
Im von FEI-Präsidentin Prinzessin Haya angezettelten Machtkampf, der das Ziel zu haben scheint, den europäischen, speziell den deutschen Einfluss im internationalen Verband zu dezimieren, scheint nun selbst das bisherige Tabu-Thema Doping zur Waffe zu werden.
Nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses für die Liste, die während des Doping-Workshops in Ergänzung der bisherigen (“current list”) plötzlich per Mail zur Abstimmung verschickt worden war, war die Verwirrung bei den Delegierten, vor allem der europäischen Verbände, ungefähr ebenso groß wie die Empörung.
Breido Graf zu Rantzau, der Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), der direkt von Kopenhagen zu den Stuttgart German Masters geflogen war, rief hier direkt zur Pressekonferenz. “Wir machen das nicht mit”, so der Graf. Und mit “wir” ist diesmal nicht nur der deutsche Verband gemeint.
Vor zwei Monaten hatten sich in Antwerpen Vertreter der wichtigsten europäischen Verbände zu einem “European Equestrian Forum” zusammengeschlossen, dem nun in Kopenhagen sämtliche Verbände Europas beigetreten sind. Selbst der amerikanische Verband, in dessen Land sehr viel laxere Bestimmungen im Hinblick auf Mittel, die verletzte Pferde wieder wettkampffähig machen, herrschen, hat sich mit den Europäern in puncto “progressive list” solidarisch erklärt.

Das positive, saubere Grün im Logo, scheint mehr der Imagebildung als den wahren Absichten zu dienen.
Vorerst zieht der deutsche Reiterpräsident den formalen Weg vor. Die “progressive list” sei mithilfe eines Formfehlers “nicht satzungsgemäß” zur Abstimmung gekommen. Beim “Compliance Committee” (eine Art Beschwerdestelle) der FEI wolle man Einspruch erheben. Das hatten Teile der Delegierten zwar schon in Kopenhagen versucht, waren aber abgeschmettert worden, mit der Begründung, die Abstimmung sei demokratisch zustande gekommen.
Doch die FEI scheint die Macht, die mit den europäischen Reitsportnationen verbunden ist, zu unterschätzen: Allein der Verlust der finanziellen Beiträge – von denen die FEI nicht nur profitiert, sondern auch lebt – der Turnierveranstalter und Sponsoren, wäre im Falle eines Abspaltens der Europäer aus dem Dachverband, ein nicht aufzufangender Verlust. Doch diese werden die Entscheidung gegen ein klares Nein zu Doping und zum Fitmachen von nicht-wettkampffähigen Pferden, nicht mittragen.
Nach dem Beschreiten des formalen Weges, daraus macht der deutsche Präsident kein Hehl, wird dann die europäische Macht ausgespielt: Vom Boykott der Weltreiterspiele in Kentucky im nächsten Jahr ist bereits die Rede. Das Gründen eines eigenen europäischen Verbandes wäre die letzte Konsequenz. Auch die Verhandlungen mit den deutschen Fernsehsendern seien davon berührt. Auf jeden Fall, so zu Rantzau, sei es jedoch im Moment oberstes Ziel, mit der FEI weiterzumachen
“Wir können nicht anders und wir wollen nicht anders”, beschreibt der Präsident die deutsche Position, “alle Turnierveranstalter stehen hinter uns.” Auch für die deutschen Reiter wäre es eine Katastrophe, auf internationalen Turnieren zu starten, an denen sich nur einzelne an die Null-Lösung zur medikamentösen Behandlung von Pferden halten. Für viele andere europäischen Länder verstößt die neu beschlossene Freigabe-Regelung, wie in Deutschland auch, schlicht gegen Tierschutz-Gesetze. Unterschiedliche Wettkampfbedingungen für die zwei und vierbeinigen Athleten wären die Folge.
Die FEI wird zurückrudern müssen, will sie eine Abspaltung der finanz- und mitgliederstarken europäischen Verbände samt der Turnierveranstalter und Sponsoren, vermeiden, so viel ist sicher. Damit dürfte die Wiederwahl Prinzessin Hayas im nächsten Jahr so gut wie vom Tisch sein.
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