Stuttgart German Masters: Edward Gal und Totilas auch in der Kür eine Klasse für sich

Das Stuttgarter Publikum jubelte: Nicht nur die abgezirkelten Piaffen versetzten die Zuschauer bei Edward Gals Auftritt in der Schleyerhalle auf dem faszinierenden Totilas in Verzückung. Foto: Julia Rau
Standing Ovations der 7.000 begeisterten und hingerissenen Zuschauer in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle, ergriffenes Staunen und lauter Jubel nach dem abschließenden Gruß: Edward Gal und sein neunjähriger Rapphengst Totilas sorgten beim diesjährigen 25. Stuttgart German Masters am Samstagabend für den mit Spannung erwarteten Höhepunkt.
Obwohl sich der Hengst immer noch etwas beeindruckt zeigte von der gigantischen Kulisse, die eine voll besetzte Stuttgarter Schleyerhalle bietet, konnte sein Reiter, der die selbe Kür zu dramatischer Musik wie in Windsor ritt, doch fast alle Höhepunkte dieses Ausnahme-Pferdes abrufen – und davon gab es viele.
Piaffen, Passagen und Pirouetten, die mit unglaublicher Kraftaufnahme in der Hinterhand und außergwöhnlicher Aktion im Vorderbein mit für das Besondere am Auftritt des Paares sorgten. Doch auch die Traversalen in schönster Vollendung, eine Aufwärtsgaloppade aus dem Lehrbuch und die Tempoverstärkungen waren vom Feinsten. Einzig die Galoppwechsel zu einem und zwei Tempi, auch in Windsor noch mit leichten Schwächen versehen, erschienen auch in Stuttgart noch etwas verhalten, nicht ganz frei nach vorne gesprungen.
So setzte sich der Doppel-Europameister von Windsor mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit gegen die Konkurrenz durch: 87.800 Prozentpunkte war seine Vorstellung dem internationalen Richterkollegium wert, das waren fast 14 Punkte mehr als der Zweite, der Belgier Jeroen Devroe.
Mit seinem ebenfalls erst neunjährigen Apollo van het Vijverhof kam dieser auf 73.900 Prozent . Auch der braune belgische Welt HitII- Sohn ware ein echte eine Augenweide, mit vielen Höhepunkten, der das etwas undankbare Los hatte, nach dem glamourösen Ritt von Edward Gal ins Viereck reiten zu müssen.

Eine Augenweide: Edward Gal und Totilas. Foto: Julia Rau
Dritte wurde Anabel Balkenhol. Die Tochter von Olympiasieger und langjährigem USAmerikanischen Team Coachs, Klaus Balkenhol, glänzte mit ihrem 12-jährigen Wallach Rubins Royal weniger mit einem spektakulären Auftritt als vielmehr mit sehr feinem und klarem Reiten, das sich nicht so sehr an Höchstschwierigkeiten heran wagte als vielmehr die technische Perfektion in allen gerittenen Lektionen suchte. Ihr Ritt wurde mit 72.800 Prozent bewertet.
Edward Gal nach dem Ritt: „Unsere Kür war toll. Totilas war sehr gelassen und ruhiger als beim Grand Prix. Das Publikum hat mir mit dem ungewöhnlichen Applaus zwischen den Prüfungsteilen den richtigen Kick gegeben.“ Seit dreieinhalb Jahren ist Totilas unter dem Sattel von Edward Gal, und der ist sich sicher, dass sich der schwarze Hengst noch weiter entwickeln wird, auch wenn er heute schon die Konkurrenz fast spielerisch hinter sich lässt.
„Manchmal ist er einfach noch jung und unkonzentriert. Bei den Turnieren ist es wichtig, dass wir einen ruhigen Stall haben, das hilft ihm. Ich freue mich, nach Stuttgart gekommen zu sein, ein großes Turnier mit tollen Zuschauern“, sagte ein freudig lächelnder Edward Gal, der sich erleichtert zeigte, dass das deutsche Publikum die Kritik am niederländischen Trainingssystem für sich behielt.




