FEI verschiebt Implementierung der Progressiven Liste auf April 2010
Nur einen Tag nach Bekanntgabe der konträren amerikanischen und britischen Erklärungen zur Progressiven Liste, hat die FEI nun die Implemtierung (in Kraft setzen) sämtlicher neuer Regularien auf den 5. April 2010 vertagt.
Hiermit will der Internationale Reiterverband nach eigenem Bekunden “eine breitere Debatte und Beratungen zu den Änderungen der Regularien möglich machen”.

Die Latte ein wenig tiefer gehängt hat die Präsidentin der Internationalen Reiterlichen Vereinigung, Prinzessin Haya, um es den internationalen Verbänden in Bezug auf die neue Medikationsregelung ein wenig leichter zu machen Foto: Julia Rau
Die FEI bezieht hierbei nun auch die unterschiedlichen Gesetzeslagen sowie Turnierregularien in den einzelnen Ländern mit ein, die durch die jeweiligen Verbände abgestimmt werden müssten. Die neuen Regularien hätten Folgen für Züchter ebenso wie für die Auswahl von Pferden und “kann Auswirkungen auf all diejenigen haben, die sich um das Wohlbefinden der Pferde kümmerten”. Ebenso seien die Laboratorien betroffen, die Doping-Test durchführen, so die FEI in einer Presseerklärung.Von einer Neuabstimmung über die Liste ist jedoch an keiner Stelle die Rede.
Interessant wird es dann erst im Nachsatz, in dem darauf hingewiesen wird, dass “Nach Artikel 20.4 der FEI Statuten, das FEI Büro mit einer Zweidrittel-Mehrheit, Beschlüsse verabschieden kann, die normalerweise durch die Generalversammlung beschlossen werden müssen. In diesen Fällen können die nationalen Verbände den Beschluss des FEI Bureaus so lange außer Kraft setzen bis eine Mehrheit der Nationalen Verbände innerhalb von 30 Tagen ihren Widerspruch einlegen.”
Bis heute liege der FEI kein solcher Antrag nationaler Verbände in Bezug auf das Thema vor. Gestern hätten zwei nationale Verbände, der Britische und der Amerikanische Pressemitteilungen an die FEI weitergeleitet, in denen sie ihre Position dargestellt hätten. Beide Erklärungen spiegelten die kontroversen Argumentationen der momentan stattfindenden Debatte zu diesem Thema wider. In beiden Erklärung werde eine zeitliche Vertagung der Implementierung der neuen Liste gefordert.
Die FEI weist in diesem Nachsatz darauf hin, dass es offensichtlich keinen geschlossenen Widerstand aus den Reihen der Verbände gegen die neuen Regularien gibt, da es bis heute keinen offiziellen Antrag zum Thema gebe. Zudem scheint sie sämtliche Rückmeldungen aus Deutschland zu ignorieren, denn erwähnt werden lediglich die beiden Verbände der USA und der Briten. Ein weiteres Kapitel im Machtkampf zwischen FN und FEI.
„Die Verzögerung verschafft uns Zeit, Maßnahmen zu entwickeln, weiter gegen die ‚Progressiv List’ vorzugehen. Wir können nun mit der FEI und anderen Nationen nach einer gemeinsamen Lösung suchen. Dabei ist zunächst einmal beruhigend, dass der internationale Sport nach altem Regelwerk in den ersten drei Monaten des neuen Jahres weitergehen kann“, verkündet Soenke Lauterbach, Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), nach Bekanntgabe der Verschiebung.
Weitere Artikel zum Thema:
CHIO Aachen – Kempermann für sauberen Sport
FEI Tierärzte schicken Protesschreiben an Haya
USA: Keine einheitliche Stimmung zu FEI Medikationsbeschluss
Neue FEI-Doping-Regeln: Droht ein europäischer Separatismus im Reitsport




