Marcus Ehning ist Weltcup-Sieger Springreiten 2010 – Beerbaum und Schwizer zweiter – McLain Ward Boykottaufruf
Zum dritten Mal nach 2003 mit Anka und 2006 mit Sandro Boy konnte Marcus Ehing, diesmal auf Hengst Plot Blue, das FEI Weltcup-Finale Springreiten, das diesmal in Genf stattfand, gewinnen. Dabei zu Hilfe kam ihm die Disqualifikation der Stute Sapphire, die bislang mit ihrem Reiter McLain Ward in Führung gelegen hatte.
Nach zweimaliger tierärztlicher Untersuchung war das Pferd unter Protest der gesamten US-amerikanischen Reiter aus dem laufenden Wettkampf genommen worden. In zwei Pressekonferenzen versuchten zum einen der für die Entscheidung zuständige Weltreiterverband FEI als auch zum anderen der Reiter mitsamt Pferd, Nationalcoach Georg Morris und Tierarzt Tim Ober, die versammelte Presse von ihren Positionen zu überzeugen.
Obwohl die FEI sich Mühe gab, ausschließlich das berührungsempfindliche linke Vorderbein als Grund für die Disqualifikation zu Wohle des Pferdes anzuführen und dem Reiter keine Schuld zu zuweisen, schwebt über McLain Ward nun der Verdacht, sein Pferd hypersensibilisiert zu haben, also die Beine schmerzempfindlich gemacht zu haben, damit es besser springt.
Besonders kritisch wird diese Situation nicht nur weil McLain Ward alle Chancen auf den Sieg hatte, sondern auch, weil er auf diesem Gebiet kein unbeschriebenes Blatt ist. Bereits 1999 wurde der zweimalige Mannschaftsolympiasieger während des CHIO in Aachen mit eben dieser Methode erwischt. Damals hatte er kleine scharfkantige Plastikstückchen in die Gamaschen des Pferdes eingearbeitet, um genau diesen Effekt zu erreichen.
Er wurde daraufhin lebenslänglich vom Aachener Veranstalter für das CHIO gesperrt. Dies wurde aber einige Jahre später wieder rückgängig gemacht. Ward verwehrt sich gegen einen Generalverdacht gegen ihn, schließlich habe er sich zehn Jahre lang keinerlei Vergehen schuldig gemacht.
Dennoch dürfte die Freude im deutschen Lager über das letztlich gute Abschneiden der Reiter groß sein. Denn zweiter in der Gesamtwertung nach drei Tagen, wurde nach einem schwachen Start am Donnerstag dann doch noch Ludger Beerbaum auf seiner noch jungen Stute Gotha, einer Tochter seines im vergangenen Jahr verabschiedeten Erfolgspferdes Goldfever. Diesen Platz teilt er sich mit dem derzeit äußerst erfolgreich reitenden Schweizer Pius Schwizer, der im Finale die Holsteiner Stute Carlina ritt.
Dem US-Amerikaner Mario Deslauries, der nach der zweiten Runde und dem Ausscheiden Wards in Führung lag, zeigte im letzten Umlauf auf Urico dann – vielleicht wegen der angespannten Situation im amerikanischen Lager, denn inzwischen hatte McLain Ward zum Boykott des gesamten Turnieres aufgerufen, dem keiner folgte – doch Nerven und verspielte sich mit drei Abwürfen die Chancen auf den Gesamtsieg.
Ergebnis: (Nach den drei Teilprüfungen des Finales): 1. Noltes Kuchengirl/Plot Blue (Marcus Ehning) Ger 6; Punktgleich auf 2. Gotha (Ludger Beerbaum) Ger, Carlina/Ulysse (Pius Schwizer) Sui 7; 4. Winningmood (Luciana Diniz) Por 9; 5. Hallmark Elite (Dermott Lennon) Irl 10; 6. Urico (Mario Deslauriers) USA 13; Punktgleich auf 7. Silvana (Kevin Staut) Fra, Cristallo (Richard Spooner) USA, Vivant (Chris Chugg) Aus 14; 10. Quintero la Silla (Rolf-Goran Bengtsson) Swe 15.





