Heuschmann und Xenophon: “Unüberbrückbare Gegensätze”
UPDATE!: Im Falle des Tierarztes und Xenophon-Mitbegründers Dr. Gerd Heuschmann hat Horses & Sports nun mit Landoberstallmeisterin und Xenophon-Vorstandsmitglied Dr. Astrid von Velsen-Zerweck gesprochen. Sie schildert die Vorgänge um den Eklat, der zum Ausscheiden der Galeonsfigur Heuschmann geführt hat, aus Sicht des Vereins, der sich für die Förderung der klassischen Reitkultur stark macht.

Hier noch gemeinsam für das selbe Ziel: Dr. Astrid von Velsen-Zerweck, Dr. Gerd Heuschmann und Klaus Balkenhol. Foto: Xenophon
Gerd Heuschmann habe, so von Velsen, zu seinen Vorträgen und Seminaren über die Anatomie des Pferdes seinem Publikum seit geraumer Zeit auch selbst Pferde vorgeritten. Die Art und Weise des Vorreitens, über das sich die promovierte Agraringenieurin fachlich nicht äußern wollte, habe nicht nur das Missfallen einiger Zuschauer, sondern auch die Kritik der Xenophon-Vorstandsmitglieder, wie Mannschaftsolympiasieger Klaus Balkenhol, Johann Riegler (Oberbereiter Wiener Hofreitschule) und Susanne Miesner (Deutsche Reiterliche Vereinigung, FN), erzeugt.
“Die drei haben erst freundschaftlich versucht, Gerd Heuschmann davon zu überzeugen, das doch besser sein zu lassen, da es mit den reiterlichen Grundsätzen, die Xenophon vertritt, nicht mehr vereinbar war “, schildert die Leiterin des Haupt- und Landgestüts Marbach die Situation. Später habe es dann intern massive Kritik an Heuschmann gegeben. Ein langes Gespräch, das Klaus Balkenhol mit dem Tierarzt geführt habe, sei ohne Konsequenzen verpufft.
Zwischenzeitlich seien zudem Profifotos aufgetaucht, die Heuschmann bei einem seiner Seminare auf dem Pferd zeigten, und die diese, aus Sicht des Vereins falsche, Reitweise dokumentierten. “Zudem wurde uns von vielen Seiten zugetragen, dass Gerd Heuschmann plötzlich angefangen hätte, sich von den klassischen Grundsätzen und den Ausbildungsgrundsätzen der FN abzuwenden und sein Publikum aufgefordert habe, dies ebenfalls zu tun.” Diese “unüberbrückbaren Gegensätze” hätten schließlich dazu geführt, dass Gerd Heuschmann von sich aus, aus dem Vorstand ausgetreten sei. Aus Sicht von Xenophon eine richtige Entscheidung.
“Das ist für uns auch schwer zu verkraften”, sagt von Velsen gegenüber Horses & Sports, immerhin habe Gerd Heuschmann viel für den Verein Xenophon geleistet und sei eine wichtige Identifikationsfigur gewesen. Doch die Richtung, in die der Tierarzt nun strebe, sei für Xenophon nicht mehr nachvollziehbar.
Hier nun auch die offizielle Stellungnahme von Xenophon:
“Die Mitgliederversammlung von Xenophon, der Gesellschaft für Erhalt und Förderung der klassischen Reitkultur e.V. (Versmold), hat am 12. Juli 2010 in Aachen Susanne Miesner (Warendorf) einstimmig als neue 2. Vorsitzende gewählt. Die Neuwahl war notwendig geworden, nachdem Dr. Gerd Heuschmann (Dülmen) seinen Vorstandposten im Juni niedergelegt hatte.
Der Xenophon-Vorsitzende Klaus Balkenhol (Rosendahl) hob die Verdienste Dr. Gerd Heuschmanns, Mitbegründer der Gesellschaft Xenophon, insbesondere in der Vermittlung der funktionalen Anatomie des Pferdes hervor. Seine Initiativen und Vorträge hätten international Bewusstsein für funktional richtiges Reiten geschaffen.
In den letzten Monaten habe sich jedoch gezeigt, dass Heuschmanns Auffassung von praktischem Reiten und Trainingsmethoden erheblich von der der Gesellschaft Xenophon abwich. Zudem habe sich Dr. Heuschmann in seinen Vorträgen zu Äußerungen verführen lassen, die den von Xenophon vertretenen Grundsätzen fachlich deutlich widersprächen. Die zunehmenden Differenzen hätten am Ende dazu geführt, dass der Vorstand sich nicht mehr mit den Inhalten von Heuschmanns Seminaren und praktischen Vorführungen identifizieren konnte.”




