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Komet mit kurzer Lebensdauer – Gastkommentar zum Rücktritt von Gerd Heuschmann

17. Juli 2010 Der Kommentar

von Karola Bady

Unsere Autorin ist Mitglied bei Xenophon und Redakteurin. Sie war bei der Mitgliederversammlung am 12. Juli in Aachen anwesend. Für Horses & Sports hat sie ihr persönliches Resümee aus dieser Veranstaltung gezogen:

“Die Laufbahn des Tierarztes Heuschmann gleicht inzwischen der eines Kometen: Er tauchte vor wenigen Jahren unvermittelt auf, sorgte für ein Leuchten am Himmel, als er sich gegen die Rollkur, gegen Doping und unerlaubte Medikation äußerte, dabei kein Blatt vor den Mund nahm und die für ihn Schuldigen beim Namen nannte.

Jetzt zieht er einen Schweif von Anhängern hinter sich her und verschwindet wieder, als Prophet schlechter Nachrichten. Den Beweis, dass er zu seinen Worten steht, muss er erst noch erbringen. Schon die offene Konfrontation mit Philippe Karl hatte seinem Ansehen einen empfindlichen Riss in der Patina verpasst. Der französische Meister hatte dem Lehrling der Anwendung der berühmten Hohen Hand öffentlich eine Art Ohrfeige verpasst, nachzulesen auf der Homepage von Philippe Karl.

Wäre der Tierarzt nur am Boden geblieben und hätte seinen Job als Referent bei Seminaren oder als Autor kritischer Bücher gemacht, hätte er sich bestimmt viel erspart.

Kritiker auszuschließen, statt sie zu integrieren und an der Kritik zu wachsen, sich zu verbessern, ist eine beliebte Vorgehensweise unter Reitern. Die Nähe, die Xenophon nun zur Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) sucht, in dem man die Statuten inhaltlich ändern will und „richtlinientreues Reiten“ anstelle der vorherigen „pferdegerechten Ausbildung“schreiben will, könnte künftige Mitglieder verschrecken, die sich nicht in der Lehre der FN finden und damit den Weg zu Xenophon versperrt sehen.

Immer sind es dieselben Leute in Ausschüssen, die schon aus betrieblichen Gründen keine Zeit für Treffen haben oder aus Eigeninteresse keinen Sinn darin sehen, sich dort einzubringen. Die Gründerin der Idee von Xenophon, wird zu den Treffen inzwischen nicht mehr eingeladen. Ist sie zu unbequem? Inzwischen erscheint mir diese Gesellschaft, der Verein Xenophon, eher wie ein Privatclub weniger Personen, die es zwar nicht schaffen, mehr Mitglieder zu werben als 500 weltweit, sich aber zu bewegenden Vorgängen in der Pferdewelt nicht mehr äußern. Oder, wenn überhaupt, erst zu spät, diese Äußerungen aber im Wert ihrer Wirksamkeit maßlos überschätzen.

Diesem Privatclub fehlt es eindeutig noch immer an Mumm.”

Currently there are "2 comments" on this Article:

  1. Sehr geehrte Frau Bady,

    sicherlich haben Sie Recht, daß der Herr Dr. Heuschmann besser am Boden geblieben wäre, entscheidend ist jedoch bei aller Kritik, wie verbessern wir etwas? Würden die Reiter mehr Wissen haben, würden sie sehen, was auf den Abreiteplätzen gezeigt wird und um welche Tierquälerei es sich dort handelt, würden sie erkennen, das pferde mit fast passartigem Schritt Mannschaftsolympiasieger werden und würden sie wissen, was Pass bedeutet, würden bestimmt viele Zuschauer von den Veranstaltungen fern bleiben.
    Also brauchen die Zuschauer neutrales und gutes Wissen, was sie logisch nachvollziehen können.
    Es würden sich Leute wie der Herr Karl ebenso, wie ein Patrick Kittel, wie Heike Kemma und viele mehr, als fehl am Platz erweisen. Leider ist da nur die Frage, wer bleibt übrig?
    Wo sind die guten Vorbilder, wie ein Harry Bodt, oder ein Herbert Rehbein??

    Mir fällt dazu ein gutes Zitat ein:

    Wenn man für eine Sache kämpft, deren Kern nicht die Sache, sondern das eigene Ego ist, ummantelt von der Sache, wird man den Kampf nie gewinnen können, sondern der Sache nachhaltig Schaden zufügen.

  2. Sehr geehrter Herr Reese.

    Erst heute sehe ich Ihren Kommentar, da mir die Zeit mit vier Berufen fehlt, um viel im Internet unterwegs zu sein. Im Nebenberuf der gelernten und studierten Redakteurin bin ich Pferdefachfrau. Was mich von den vielen Schreiberlingen unterscheidet, die inzwischen im Fachbereich als Autoren unterwegs sind und dort die Honorarstruktur schädigen für Billiglöhne. Nach meinen Studien an der Uni in Hamburg (Soziologie, Sportwissenschaften und Psychologie) habe ich das Studium der Verhaltenskunde für Equiden bei guten Schulen wie ATM und ATN in der Schweiz absolviert, also quasi den Großen Tierheilpraktiker angefangen und die Pferdepsychologie beendet. Ich kann also sehr gut diese Szene einschätzen, da ich über sieben Jahre für das größte deutsche Magazin außerhalb des Reitsports gearbeitet habe. Ich kenne die Pappenheimer alle und obwohl mich mit vielen der so genannten Idole eine herzliche Bekanntschaft verbindet, darf ich sie kritisieren. Aber ich darf auch schreiben und zwar folgendes: Nicht jede Frau hat ein unterentwickeltes Ego und muss sich in der Presse profilieren, Herr Reese, ich würde das anders nennen: eine gute Bildung, Manieren und Ausdrucksvermögen, was vielen anderen in der Branche fehlen mag, dazu Fachverstand und Studien lebenlang. Vielleicht denken Sie einmal darüber nach, was Selbst-BEWUSST-SEIN bedeutet und dass sich Frauen mit viel Wissen heute nicht mehr verstecken müssen, da sie sonst vielleicht auf Scheiterhaufen landen würden? Ich habe meine Lektionen gelernt und auf meinem Hof finden sie gesunde und glücklich Pferde aus meiner Therapiearbeit, ich glaube, jeder Schuster sollte nicht nur sprichwörtlich bei seinen Leisten bleiben. Wenn Dr. Heuschmann beim Seminar in Norderstedt verspricht, das Pferd des Veranstalters zu behandeln, es aber nicht tut oder zu teuer ist mit der angeschlossenen Praxis, die er noch zu betreiben scheint, dann bin nicht ich der Scharlatan, der das aufgedeckt hat, sondern die, bei der dieses Pferd geheilt würde. Aber die Stute steht noch heute (hoffe ich, dass sie noch lebt) in diesem Stall?
    Bevor Sie ein Urteil über jemanden fällen, den SIE nicht kennen, darf ich weiter Schreiben über Leute, DIE ICH KENNE und DURCHSCHAUT habe? DAnke. MfG. Karola K. Bady, Redakteurin

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