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“Ich war überzeugt, wir seien auf dem richtigen Weg” – Audio-Stellungnahme Geschäftsführer FN

Erst Monate nach Hongkong: Der Geschäftsführer Sport der FN, Reinhard Wendt, bezieht Stellung. Foto: Julia Rau

Erst Monate nach Hongkong: Der Geschäftsführer Sport der FN, Reinhard Wendt, bezieht Stellung. Foto: Julia Rau

Der Geschäftsführer Sport der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), Reinhard Wendt, hat heute in einer Audio-Botschaft Stellung bezogen zu den Entwicklungen, die zum einem weiteren olympischen Dopingfall der deutschen Equipe geführt haben :
Stellungnahme des FN Geschäftsführers Reinhard Wendt (Dauer ca 20 Min.)
Wendt räumt in dieser Botschaft ein, dass er sowohl beim Kollaps des Pferdes Cornet Obolensky persönlich auf der Stallgasse anwesend war “… wir hatten in diesem Moment überhaupt keinen Anlass zu glauben, dass da etwas nicht in Ordnung war” als auch, dass er in den Tagen nach Hongkong Hinweise erhalten habe, dass der Fall des – inzwischen verurteilten – Springreiters Christian Ahlmann und seines Pferdes Cöster kein Einzelfall innerhalb der deutschen Mannschaft gewesen sei.

Auch der Hinweis, dass aus den Sattelschränken von Ludger Beerbaum und Marco Kutscher das im Wettkampf verbotenen Mittel Equi-Block gefallen sei, war ihm direkt zugetragen worden. Diese Aussagen seien jedoch widersprüchlich und unvollständig gewesen.

Hier geschwiegen zu haben, sei, “in der Rückschau betraucht eventuell eine Fehlentscheidung” gewesen. Für alle Vorfälle der unerlaubten Manipulation übernahm der Geschäftsführer die Verantwortung, da sie sich “unter meiner Führung so entwicklen konnte”. Und zwar trotz seines ausdrücklichen Bemühens, genau solche Dinge zu verhindern. “Ich war überzeugt, wir seien auf dem richtigen Weg.”

Gleichzeitg sprach die in Nürnberg tagende Mitgliederversammlung der FN Reinhard Wendt und seinem Präsidenten Breido Graf zu Rantzau das Vertauen aus:

FN-Mitgliederversammlung: Eingeschlagener Weg soll fortgesetzt werden

von Dr. Dennis Peiler
Nürnberg (fn-press). Im Rahmen der Jahrestagungen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) in Nürnberg hat die Mitgliederversammlung die Verbandsführung mit einem einstimmigen Beschluss aufgefordert, den eingeschlagenen Weg zur Sicherstellung fairen Leistungssports fortzusetzen. Hintergrund waren Enthüllungen verschiedenster Art und aus unterschiedlichen Richtungen über mutmaßliche Vorkommnisse bei den Olympischen Spielen in Hongkong, unter anderem eine regelwidrige Behandlung des Hengstes Cornet Obolensky (Reiter: Marco Kutscher). Die Mitgliederversammlung nahm dazu wie folgt Stellung:

“Die Mitgliederversammlung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) nimmt die offene Darstellung der Vorfälle bei den Olympischen Spielen in Hongkong durch Präsidium und geschäftsführenden Vorstand zur Kenntnis. Die erläuterten Aktivitäten zur Verhinderung von Manipulationen allgemein im Sport sowie speziell in den deutschen Mannschaften bei internationalen Championaten seit Athen werden nachdrücklich unterstützt. Insbesondere wird dem Präsidenten, Breido Graf zu Rantzau, und dem Geschäftsführer des Bereichs Sport, Reinhard Wendt, für ihre Arbeit auf diesem Gebiet gedankt und ihnen das Vertrauen der Mitglieder ausgesprochen.

Die Mitgliederversammlung beauftragt Präsidium und Vorstand, den eingeschlagenen Weg zur kompromisslosen Sicherstellung fairen Leistungssports unbeirrt fortzusetzen. Manipulation wird nicht toleriert. Die Delegierten der Mitgliederversammlung erklären ihre volle Unterstützung hinsichtlich aller dazu erforderlichen Maßnahmen. Deren Weiterentwicklung muss im Rahmen der Verbandsarbeit höchste Priorität haben und von allen an Pferdesport und -zucht Beteiligten aktiv unterstützt werden. Die dazu notwendigen finanziellen Mittel sind nach Maßgabe des Präsidiums zu stellen.
Die Aufklärung und Aufarbeitung aktueller Fälle möglicher Regelverstöße ist unter Wahrung größtmöglicher Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit fortzusetzen. Ziel ist ein fairer Reitsport, der Vorbild für das gesamte Sportgeschehen in Deutschland ist.”

FEI richtet Ethik-Kommission im Fall der deutschen Springreiter und der involvierten FN-Funktionäre ein

5. Mai 2009 Wissen

Die Internationale Reiterliche Dachorganisation (FEI) richtet ein auf höchster Ebene angesiedelte Ethik-Kommission ein. Diese soll die jetzt bekannt gewordenen Vorfälle im deutschen Springreiter-Team während der Olympischen Spiele in Hongkong 2008 bewerten und weiter untersuchen. Das kündigte die FEI in einer Presseerklärung am späten Montagabend an. … Continue Reading

Der Kommentar: Das große Schweigen

Bei ihm hat keiner geschwiegen. Christian Ahlmann, doppelt verurteilter Dopingsünder. Foto: Julia Rau

Bei ihm hat keiner geschwiegen. Christian Ahlmann, doppelt verurteilter Dopingsünder. Foto: Julia Rau

Am 17. März hatte Dr. Björn Nolting, der Mannschaftstierarzt der deutschen Equipe in Hongkong 2008 (Dopingfall und Disqualifikation Ahlmann und Cöster) und Athen 2004 (Disqualifikation von Ludger Beerbaums Pferd Goldfever wegen Einsatzes verbotener Medikamente, Verlust der Deutschen Goldmedallie) , über die Pressestelle der Deutschen Reiterlichen Vereinigung verkünden lassen, er stehe künftig nur noch den Dressurreitern zur Verfügung.

Seine Tätigkeit ende mit dem Weltcup in Las Vegas. Eine Begründung hierfür gab es nicht.

Am 28. April verkündet dann dieselbe Pressestelle, Nolting werde sich nun innerhalb der FN neuen Aufgaben widmen, da man die große Fachkompetenz des Tierarztes schätze. FN-Geschäftsführer Reinhard Wendt verkündete: “Wir möchten das Know-how von Dr. Nolting für die zukunftgerichtete Grundlagenarbeit im Bereich Leistungsphysiologie und Fitness nutzen.”

Vier Tage später platzt die Bombe. Der Spiegel berichtet von einem weiteren Dopingfall bei den deutschen Springreitern in Hongkong. Der Name des Angestellten von Ludger Beerbaum, Marco Kutscher, ist nun ebenfalls mit einer Doping-Affäre beschmutzt.

Auch hier, wie im Fall seines Chefs Beerbaum, soll “eine Pflegerin” ohne Wissen der Verantwortlichen oder gar voreilig völlig selbstständig die Doping-Gabe verabreicht haben. Nolting: “Unglücklicherweise nahm die Pflegerin ohne Rücksprache und völlig voreilig die Behandlung vor, bevor ich die erforderliche Freigabe für eine Injektion einholen konnte.”
Eine intravenöse Injektion mit Lactanase, kann bei geringfügiger Fehlsetzung der Nadel – so ist es auf vielen Fachseiten im Web zu finden – höchst schwerwiegende Folgen haben, zum Beispiel einen Kreislaufkollaps. Woher die Pflegerin in beiden Fällen die verbotenen Mittel hatte? – Schweigen. Wie sie gelernt hat, intravenöse Injektionen zu setzen? – Schweigen.

Überhaupt: Schweigen scheint das Gebot der Stunde. Die FN verkündet gar ohne einen Hauch von Selbstkritik, ja, man habe Bescheid gewusst, aber besser geschwiegen. “Eine Aufarbeitung des Geschehenen war in tatsächlicher (eindeutige Feststellungen hinsichtlich des tatsächlichen Geschehensablaufes) und rechtlicher Hinsicht mit einem derart ungewissen Ausgang der Gesamtaufarbeitung behaftet, dass es konstruktiver war, die gesamte Kraft in die Erarbeitung der auf den Weg gebrachten Maßnahmen zu stecken.”

Geschwiegen im Falle Christian Ahlmann hatte die FN aber nicht. Nein, hier überschlugen sich die Funktionäre nach dem vermurksten Olympiastart mit Äußerungen der Empörung, Enttäuschung bis hin zur Abscheu. Ja, es wurde sogar nachgearbeitet: Die von der FEI verhängte viermonatige Sperre war den Verantwortlichen in Warendorf nicht genug. Man zog vor den internationalen Sportgerichtshof CAS, wo der Sünder Ahlmann dann zur Genugtuung der FN noch einmal abgestraft wurde. Die Strafe wurde – bis heute ohne vorliegende Urteilsbegründung – verdoppelt!

Seit dem 20. April darf Ahlmann wieder starten. Zwischen den beiden Urteilen liegende Preise werden in einem solchen Fall aberkannt, Preisgelder müssen zurückgezahlt werden. Das alles unternahm die FN im Falle Christian Ahlmanns. Geschwiegen hatte hier keiner. Im Gegenteil, das Getöse war groß.  Das alles geschah gleichzeitig und wissend, dass es hier noch einen weiteren prominenten Doping-Sünder gibt.

Dieser durfte weiter ungestraft und unkommentiert seine Paroursrunden drehen, seine Preisgelder kassieren  und wurde bei seinen nicht unerheblichen Erfolgen in den letzten Monaten entsprechend gewürdigt. Begründung: Der Ausgang war nach FN Vermutung “ungewiss” .

So ungewiss, dass die FN in der selben Erklärung davon spricht, dass ” …. im Umfeld der Springmannschaft über den Fall Ahlmann hinaus Handlungen vorgenommen wurden, die weder dem Regelwerk noch der Vorstellung von sauberem Sport entsprechen.”

Was ist daran ungewiss? Eine klare Aussage: Regelverstoß, unsauberer Sport. Der Mannschaftstierarzt wusste davon, aber  “Aufgrund des dort (in Hongkong, Anm. Red.)  herrschenden Trubels habe ich beschlossen – hierfür übernehme ich die Verantwortung – Stillschweigen zu bewahren.” – Und  nach dem Trubel? In den Wochen nach Hongkong, als der Trubel um Christian Ahlmann erst so richtig los ging?

Da wurde weiter geschwiegen – über den Einen jedenfalls.

Weitere Kommentare bei: Nils Becker

“… beschlossen … Stillschweigen zu bewahren.”

4. Mai 2009 Wissen
In Hongkong zogen bereits zum zweiten Mal bei Olympischen Spielen dunkle Wolken für die deutsche National-Equipe auf. Ex-Bundestrainer Springreiten Kurt Gravemeier und Mannschaftstierarzt Dr. Björn Nolting. Foto: Julia Rau

In Hongkong zogen bereits zum zweiten Mal bei Olympischen Spielen dunkle Wolken für die deutsche National-Equipe auf. Ex-Bundestrainer Springreiten Kurt Gravemeier und Mannschaftstierarzt Dr. Björn Nolting. Foto: Julia Rau

Im Wortlaut

Stellungnahme von Dr. Björn Nolting zu mutmaßlichen Vorkommnissen bei den Olympischen Spielen in Hongkong
von fn-press
Weilerswist (fn-press). Zu der von Marco Kutscher (Riesenbeck) in seinem Fernsehinterview mit dem WDR offengelassenen Fragestellung bezüglich der Anmeldung der Behandlung seines Pferdes Cornet Obolensky während der Olympischen Spiele in Hongkong hat der langjährige Mannschaftstierarzt Dr. Björn Nolting (Weilerswist) wie folgt Stellung bezogen: … Continue Reading

Weitere Ermittlungen gegen deutsche Springreiter-Olympiaequipe

3. Mai 2009 Wissen
Hoffen wir für die deutsche Reiterei, dass nicht auch noch Marco Kutscher in einen Dopingfall verwickelt wurde. Foto: Julia Rau

Hoffen wir für die deutsche Reiterei, dass nicht auch noch Marco Kutscher in einen Dopingfall verwickelt wurde. Foto: Julia Rau

Wie das Nachrichtenmagazin Spiegel-Online meldet, steht im Nachklang zu den Olympischen Spielen in Hongkong nun ein weiteres Mitglied der deutschen Springreiter im Fokus von Ermittlungen zu unerlaubter Medikation oder auch Doping:

Bei Marco Kutschers Hengst Cornet Obolensky soll eine Aufbauspritze aus Arnika und Lactanase in Hongkong zu einem Kreislaufzusammenbruch geführt haben. Die Gabe dieser Medikamente hat Kutscher inzwischen eingeräumt.

Marco Kutscher trainiert im Stall von Ludger Beerbaum. Er hatte in diesem Jahr einen äußerst erfolgreichen Saisonbeginn und unter anderem mehrere große Championate gewonnen.

Auch meldet Spiegel Online Gerüchte, dass das verbotene Mittel Equi-Block im Zusammenhang mit Kutscher und Beerbaum in Hongkong gesehen worden sei. … Continue Reading

Therapeutisches Reiten und Spitzensport auf der Equitana

26. Februar 2009 Wissen
Spitzensport für Menschen mit Behinderung: Das Schaubild "Para Equestrian" als Highlight in Showprogramm der Equitana. Foto: DKThR

Spitzensport für Menschen mit Behinderung: Das Schaubild "Para Equestrian" als Highlight in Showprogramm der Equitana. Foto: DKThR

Schon Tradition hat das Engagement des Deutsche Kuratorium für Therapeutisches Reiten (DKThR) auf dem großen Gemeinschaftsstand mit der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN)bei der  Equitana vom 14. bis 22. März in Essen in Halle 10/11.

Jeden Tag von 10.00 bis 19.00 Uhr wird hier vom DKThR fachkundige Beratung zu allen Fragen rund um das Therapeutische Reiten geboten. … Continue Reading

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    von Karola Bady Unsere Autorin ist Mitglied bei Xenophon und Redakteurin. Sie war bei der Mitgliederversammlung am 12. Juli in Aachen anwesend. Für Horses & Sports hat sie ihr persönliches Resümee aus dieser Veranstaltung gezogen: "Die Laufbahn des Tierarztes Heuschmann gleicht inzwischen der eines Kometen: Er tauchte vor wenigen Jahren unvermittelt auf, sorgte für ein Leuchten am Himmel, als er sich gegen die Rollkur, gegen Doping und unerlaubte Medikation äußerte, dab...

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