
Leconte, einer der Stars aus dem Stall von Marcus Ehning. Foto: Julia Rau
Spannender hätte es nicht sein können. Im Stechen am Sonntag zur euroclassics Einzel-Gesamtwertung blieben nach vier kräfteraubenden Umläufen (zwei davon zum Nationenpreis am Vortag) noch drei Reiter übrig, die alle reelle Gewinnchancen hatten. Keiner war ohne Fehler aus dem vorherigen, von Hans Sattler anspruchsvoll hoch gebauten Parcours, hervor gegangen.
Marcus Ehning auf seinem Kaderpferd Leconte hatte schließlich mit der schnellsten Zeit und einer Nullfehlerunde im Stechen die Nase vorn.
Olympiasilbermedallien-Gewinner Rolf-Göran Bengtsson auf Quintero La Silla war als erster Starter mit der ungünstigsten Ausgangsposition in den Parcours geritten. Mit seinem äußerst schnellen Nullfehler-Ritt, gelang es ihm, den Druck auf die folgende, erst 23 Jahre alte Amazone aus dem berühmten englischen Whitaker-Clan weiter zu geben.
Ihr in den vorherigen Umläufen schneller elfjähriger Holsteiner Ocolado bescherte ihr allerdings diesmal einen Abwurf. Die beiden verließen den Stechparcours schließlich als Dritte.
Denn Marcus Ehning, der an beiden Tagen eine äußerst konstante gute Leisung gezeigt hatte und sich in den nächsten Wochen auch noch für das Weltcup-Finale im April in Las Vegas qualifizieren möchte, hatte am Vortag mit Sabrina schon zwei Nullfehler-Runden hingelegt. Er ließ sich denn auch den Sieg mit der schnellsten fehlerfreien Runde und einem verhältnismäßig unverbrauchten Leconte, der erst ein halbes Jahr im Stall Ehning zu Hause ist, nicht mehr nehmen.
Äußerst gute Leistungen zeigten einmal mehr Carsten-Otto Nagel auf seinem neunjährigen Holsteiner Cassino mit dem er bereits in Neumünster für Aufsehen gesorgt hatte. Das Paar landete hinter Philip Weishaupt, aus dem Stall von Ludger Beerbaum und vor dem Norweger Stein Endresen auf Platz fünf.
Der Lohn für den Weltranglisten-Dritten Ehning, der sich mit diesem Triumph zum ersten Mal in die Siegerliste der euroclassics Einzelwertung eingetragen hat: Mit 124.500 Euro ist die Einzelwertung dotiert, der Gewinner erhielt ein neues Auto der Marke Mitsubishi und außerdem noch einen Scheck in Höhe von gut 13.000 Euro.
Rolf-Göran Bengtsson über seinen zweiten Platz: „Nach meinem Ritt im Stechen dachte ich, dass Marcus ganz schön loslegen muss, um diese Zeit zu knacken. Und das hat er natürlich auch gemacht!“
Ellen Whitaker war von ihrem dritten Platz überwältigt. „Ocolado hatte einen schweren Unfall und ich reite ihn erst seit einigen Wochen wieder, deshalb hatte ich mir hier heute überhaupt nichts ausgerechnet.“
Die Kombination PKW und Preisgeld gab es übrigens für die ersten Vier des Schlussergebnisses, genauso wie vier Plätze für das Finale der Masters League im Dezember. Und so freute sich auch noch Beerbaum-Schüler Philipp Weishaupt über den besonderen Bonus: „Mein erstes Auto!“ Und über seine Stute Souvenir urteilte er: „Im letzten Jahr war ihre Qualität schon zu erkennen. Aber jetzt stehen wir am Durchbruch, sie wird besser und besser.“
Dr. Kaspar Funke zog eine positive Bilanz unter die zwei Turnierwochenenden in Bremen. „Wir hatten hier insgesamt 36.000 Zuschauer und es hat sich im Vergleich zum Vorjahr gezeigt, dass sich die Konstellation mit zwei Turnierwochenenden absolut bewährt hat. Besonders die Integration des regionalen Sports am ersten Wochenende wurde gut angenommen. Das Niveau im Springen war superklasse, für die neu ins Leben gerufene Young Masters League haben wir viel Lob bekommen und die jungen Athleten waren von der ersten Etappe begeistert.“