
Da ist aber einer in Bestform: Michael Jung gewinnt mit Sam nach der 3Sterne Vielseitigkeit nun auch das schwere 4Sterne CIC in Luhmühlen, gefolgt von Andreas Dibowski. Foto: Julia Rau
Ein über das gesamte Gesicht strahlender Michael Jung nahm – noch etwas ungläubig – am Sonntagnachmittag die Glückwünsche bei der Siegerehrung des CCI**** in Luhmühlen entgegen. Nach der Dressur lag der 27-Jährige aus Horb in Baden-Württemberg noch auf Platz 14.
Durch die beste Geländerunde aller 35 Starter schob er sich am Samstag bereits auf Platz zwei vor. Eine fehlerfreie Springrunde brachte Jung und seinen neunjährigen Wallach La Biosthetique Sam am Sonntag in Führung, bevor Lokalmatador Andreas Dibowski als Letzter auf den Springparcours ging.
Ein kleiner Springfehler mit Euroridings Butts Leon ließ den Traum des Mannschafts-Olympiasiegers vom ersten Sieg vor heimischem Luhmühlener Publikum platzen – und gleichzeitig den größten Triumph
in der Karriere von Michael Jung wahr werden.
Nur noch 17 Starter waren am Sonntag in die entscheidende Springprüfung gestartet, aber es wurde auch mit dem verhältnismäßig kleinen Starterfeld eine ungemein spannende Angelegenheit vor 5.000 begeisterten Zuschauern.
Frank Ostholt und Air Jordan waren die Ersten, die sich mit einer fehlerfreien Runde noch auf Rang acht nach vorn ritten. Der britische Routinier Mary King leistete sich mit ihrem jungen Pferd Kings Temtress einen Abwurf. Da auch Kristina Cook mit Miners Frolic im Springparcours Strafpunkte sammelte, konnte sich Dirk Schrade mit Gadget de la Cere noch auf Rang drei nach vorn schieben.
Dann folgte der erneut exzellente Ritt von Jung und seinem La Biosthetic Sam, die zu den nur vier Startern gehörten, die fehlerfrei durch den Springparcours kamen. Der Druck lastete damit auch Andreas Dibowski und Euroridings Butts Leon. Sie durften sich keinen Fehler erlauben. Doch schon mittendrin im 85-sekündigen Umlauf fiel die Stange.
Michael Jung stand als strahlender Sieger fest. „Wir haben Sam für den großen Turniersport aufgebaut“, sagte der von der Freude überwältigte Jung, der kurz vorher auch erfahren hatte, dass er auf der Longlist der Bundestrainer für die EM 2009 in Fontainbleau steht. „Dass es nun schon bei der ersten Vier-Sterne-Prüfung zum Sieg reichen
würde, konnte natürlich niemand ahnen!“
Doch auch Andreas Dibowski hatte Grund zum Strahlen – gewann er doch die Jeep Big Four Trophy, die Serie der deutschen Top-Turniere in Schenefeld, Kreuth, Marbach und Luhmühlen bereits zum dritten Mal nach 2005 und 2006 und konnte sich noch im Stadion an das Steuer seines nagelneuen Jeeps setzen. „Natürlich ist man erst einmal enttäuscht, wenn man nach dem Gelände führt und dann nur Zweiter wird“, sagte Dibowski. „Aber mit etwas Abstand setzt die Freude über das tolle Abschneiden ein.“
28.000 Besucher
Rund 28.000 Zuschauer gaben der Internationalen Vielseitigkeit 2009 in der Heide einen würdigen Rahmen. Besonders der Geländetag mit knapp 20.000 Besuchern war ein großer Erfolg. Die Organisatoren verzeichneten hier einen Zuwachs von rund gut zehn Prozent im Vergleich zu den Vorjahren. „Das Wetter hat uns natürlich auch ein bisschen in die Karten gespielt“, so Veranstalterin Julia Otto, Geschäftsführerin der Turniergesellschaft
Luhmühlen. „Unser Dank gilt dabei dem ganzen Team – mit Freiwilliger Feuerwehr, Polizei und allen anderen, die ehrenamtlich an der Abwicklung beteiligt sind, weil das wirklich erstklassig ineinander gegriffen und auch die Zu- und Abfahrt am Turnierplatz reibungslos funktioniert hat.“
Für 2010 hat man sich mit den Reitsportverbänden bereits auf ein Datum verständigt. Luhmühlen wird im kommenden Jahr – quasi als große Generalprobe für die Europameisterschaft 2011 – das von E.ON Avacon präsentierte CCI**** und die CIC*** Milford Trophy am dritten Wochenende im Juni, also genau vom 17. bis 20. Juni 2010, veranstalten.